Projekt „Die Hausnamen im ehemaligen Amtsbezirk Ingolstadt“

von Hans Perlinger und Edmund Hausfelder

Die Ortsnamen

  • Appertshofen
  • Baar
  • Brunnenreuth
  • Demling
  • Dünzing
  • Dünzlau
  • Ebenhausen
  • Etting
  • Ettling
  • Gaimersheim
  • Gerolfing
  • Großmehring mit Kleinmehring
  • Hagau
  • Hepberg
  • Irgertsheim
  • Kasing
  • Kösching
  • Lenting
  • Mailing
  • Manching
  • Mühlhausen
  • Niederstimm
  • Oberdolling
  • Oberhartheim mit Unterhartheim
  • Oberhaunstadt mit Unterhaunstadt
  • Oberstimm
  • Pettenhofen
  • Pförring
  • Pichl
  • Reichertshofen
  • Stammham
  • Theißing mit Straßhausen
  • Unsernherrn
  • Unterdolling
  • Wackerstein
  • Westerhofen
  • Wettstetten
  • Winden
  • Zuchering

Eine CD-ROM mit den Hausnamen aller oben aufgeführten Ortsteile kann im Museumsshop erworben werden.

Übersichtskarte des Amtsbezirks Ingolstadt

Übersichtskarte des Amtsbezirks Ingolstadt

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Die Hausnamen, die in bayerischen Städten ursprünglich zur Kennzeichnung von Häusern und Gebäuden dienten, sind seit der Einführung der Hausnummern im Zuge der Errichtung des Häuser- und Rustikalsteuerkatasters von 1808 und durch das einheitliche Personenstandsgesetz des Deutschen Reiches von 1875, das sich für die Benutzung der Familiennamen im Rechtsverkehr entschieden hat, in den Städten völlig verschwunden, denn mit den genannten Vorschriften entfiel der ursprüngliche Gebrauchswert der städtischen Hausnamen als reine Kennzeichnung von Örtlichkeiten.
Eine andere Entwicklung haben die Hausnamen im ländlichen Raum genommen, denn die Hausnamen haben sich teilweise bis auf den heutigen Tag erhalten und werden dort auch und wieder bis zum heutigen Tage gebraucht. Pobenhausen ist beispielsweise eines der oberbayerischen Dörfer, in dem die Hausnamen nicht nur bekannt sind, sondern bis in die Gegenwart hinein im Alltag Verwendung finden. Wie selbstverständlich und nachhaltig in diesem Dorf die Hausnamen noch heute verwendet werden, mag eine kurze Begebenheit verdeutlichen, die sich im Jahre 2002 zugetragen hat.

Maximilian, der kleine Sohn von Anton Wenger – Hausname „Müller“ – aus Pobenhausen wurde im Kindergarten mit seinem Familiennamen „Wenger“ angesprochen. Dies veranlasste den kleinen Buben jedoch in keiner Weise zu irgendwelchen Reaktionen. Nachhaltig auf sein Verhalten angesprochen teilte Maximilian empört mit: „er sei nicht der Wenger, er sei der Müller“.

Für den kleinen Buben bedeutete sein Familienname „Wenger“ nichts. Für ihn zählte nur der Hausname „Müller“, obgleich sein Vater als Meister bei den Audi Werken in Ingolstadt arbeitet und seine Großmutter die ehemalige Mühle als Bauernhof betreibt, beide also Tätigkeiten ausüben, die mit dem Beruf eines Müllers im eigentlichen Sinne nichts mehr zu tun haben. Die Familie Wenger allerdings sitzt auf einem Hof, der bereits 1377 von Anna v. Kamer zur Judmann Meß nach Berg i. Gau gestiftet wurde und schon damals als Mühle bezeichnet wird. Der kleine Maximilian hat sich durch gesetzliche Vorschriften nicht beeindrucken lassen, sondern das fortgesetzt, was seit 1377 als Bezeichnung für den Hof üblich war. Diese dem Herkommen verhaftete Haltung bei Kindern lässt darauf schließen, dass der Gebrauch von Hausnamen in Pobenhausen schon von Kindheit an wie selbstverständlich praktiziert wird. Für Pobenhausen haben sich auch für die Jahre 1329 und 1363 zwei Hausnamen nachweisen lassen, die mit „Hertz“ und „Rindermooser“ benannt werden können. Maximilian hat damit eine Tradition fortgesetzt, die in Bayern bereits seit dem 14. Jahrhundert in dieser Weise gehandhabt worden ist.

Die Gründe für die unterschiedliche Entwicklung der Hausnamen in den Städten einerseits und auf dem Lande andererseits können nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen darin gefunden werden, dass die Hausnamen auf dem Lande über die allgemeine Orientierungsbedeutung hinaus weitere Kennzeichnungen, wie etwa Berufsbezeichnungen, beinhalteten und sogar eine soziale Wertung des mit dem Hausnamen bezeichneten Hofes beinhalten konnten.

Die Bedeutung von Hausnamen erkannte für den Ingolstädter Raum der nach dem ersten Weltkrieg als Steuerinspektor im Katasteramt tätige Andreas Mühlbauer. Er, der im Katasteramt, das damals dem Finanzamt angegliedert war, an zentraler Stelle saß zeichnete in den Jahren ab 1937 die „Hausnamen im Amtsbezirk Ingolstadt“ handschriftlich auf. Er ordnete die Hausnamen sowohl den damaligen Gemeinden, wie auch den in diesen Gemeinden damals gültigen Hausnummern zu und schuf auf diese Weise ein weitgehend komplettes Bild der im Ingolstädter Raum üblichen Hausnamen. Seine handschriftlichen Unterlagen haben sich im Stadtarchiv Ingolstadt aufgefunden und erscheinen gerade in einer Zeit der Wiederbesinnung auf den Gebrauch der Hausnamen des Abdruckes wert, denn der Gebrauch der Hausnamen wurde nicht überall und auch nicht überall gleich intensiv gepflegt, so dass nicht selten die Hausnamen weitgehend oder zumindest teilweise verloren gegangen sind. In den Ortschaften Weichering, Lichtenau und Inchenhofen ist man neuerdings so weit gegangen, die bekannten Hausnamen mit Schildern an den Häusern anzubringen. Dies hatte aber auch die Wirkung, dass neu hinzugezogene Bürger nun ebenfalls Hausnamen haben wollten bzw. ihrem Neubau gleich einen entsprechenden Hausnamen gegeben haben, der nun auch auf dem Briefkasten angebracht ist.

Bevor allerdings die Hausnamen der einzelnen Ortschaften nach den Aufzeichnungen Mühlbauers für den ehemaligen Amtsbezirk Ingolstadt in unregelmäßigen Abständen, jedoch dem Alphabet folgend, wiedergegeben werden, sollen die Ortschaften, für die die Hausnamen von Andreas Mühlbauer zusammengestellt worden sind, wie in der obigen Aufstellung der Ortsnamen wiedergegeben werden.