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27.06.2021

Raum – Licht – Zeit

Zwei Künstlerinnen im Museum für Konkrete Kunst - 27.06. bis 05.12.2021

Zwei neue Ausstellungen zeigt das Museum für Konkrete Kunst ab 27. Juni: „Raum – Licht – Zeit: Susa Templin“ und „Raum – Licht – Zeit: Inge Dick“.

Anlässlich des 80. Geburtstags von Inge Dick zeigt das Museum gemeinsam mit der Stiftung für Konkrete Kunst und Design die jüngste Fortführung von Inge Dicks Projekt jahres licht weiss. Es dokumentiert eindrucksvoll das künstlerische Lebensthema der Österreicherin: die unerschöpfliche Vielfalt der Tageslichtfarben. Mittels experimenteller und gleichsam poetischer Fotografie wie auch mit Hilfe von umfangreichem Filmmaterial spürt Inge Dick dem facettenreichen Wesen des Lichts nach. Die von Dr. Gerda Ridler kuratierte Ausstellung wird anschließend im LENTOS Kunstmuseum in Linz und in der Stiftung Konzeptionelle Kunst in Soest zu sehen sein.
Welche Farbe hat das Licht? Inge Dick dokumentiert mit wissenschaftlicher Genauigkeit die unendliche Farbenvielfalt, die durch die optische Linse des Fotoapparats sichtbar wird. Denn die wechselnden Nuancen einer Morgensonne oder einer Abenddämmerung bleiben dem Auge oft verborgen. Inge Dicks Bilder zeigen die dramatischen Farben dieser sanften Lichtstimmungen. Für die Besucher/-innen der Ausstellung wird es eine große Überraschung sein, die Schönheit des Sonnenlichts in seiner ganzen Farbenpracht zu entdecken. Die persönliche Erfahrung, dass das Licht im Winter kühler als im Sommer ist, wird durch Inge Dicks fotografische und filmische Versuchsreihen eindrucksvoll bestätigt.
Inge Dicks Schlüsselwerk jahres licht weiss, 2012−2015, besteht aus den Filmen herbst licht weiss (2012), sommer licht weiss (2013), frühlings licht weiss (2014) und winter licht weiss (2014/15). Die vier Filme machen die Licht- und Farbveränderungen der verschiedenen Jahreszeiten sichtbar. Dazu wurde die Kamera statisch auf eine weiße Fläche gerichtet. Sie zeichnete die Veränderungen der Lichtintensität und den Wandel der Lichtfarbe auf, die sich ausschließlich durch den Wechsel der Tageszeiten ergeben. Sanftes Herbstlicht und pralle Sommersonne zeigen auf dem immer gleichen weißen Hintergrund unzählige Farben – alle außer Weiß.


Aus dem Medium des Digitalfilms entsteht seit Jahren wiederum eine Vielzahl an Einzelwerken. In einem aufwendigen künstlerischen Auswahlprozess montiert Inge Dick einzelne Filmstills zu fotografischen Tableaus, bei denen sie die Aufnahmezeit penibel mitdokumentiert. Die ahnungslosen Betrachter/-innen sehen sich mit einem strengen Lichtexperiment konfrontiert, das jedoch gleichzeitig höchst emotional wie die Aufnahme eines Sonnenuntergangs wirkt. In der Ingolstädter Ausstellung sind die großformatigen Streifenbilder mit Lichtfarben von jeweils zwei bis drei Tagen im Frühling, Sommer, Herbst und Winter neben einzelnen Lichtsequenzen zu sehen. Erstmalig wählt die Künstlerin aus der Farbenvielfalt einer jeden Jahreszeit einzelne Farbtöne aus und stellt sie in Form von großen monochromen Quadraten aus. So füllt sie das gesamte erste Obergeschoss mit dem Farbenspektakel der vier Jahreszeiten: So viel Licht war nie im Museum.

Zusammen mit der Präsentation von Inge Dick zieht mit der Ausstellung von Susa Templin seit Langem wieder die Fotografie ins Museum ein. Susa Templin entwickelte dafür ganz neue Installationen aus überlagerten Lichtbildern, die sie explizit an die zweite Etage des Ausstellungsgebäudes in der Tränktorstraße angepasst hat.
Darin zeigt sich ihr ganz eigener Zugang zum Medium. Tatsächlich begreift sie sich weniger als Fotografin. Sie sieht sich vielmehr als Künstlerin zwischen Malerei und Bildhauerei, deren Mittel die analoge Fotografie ist. In jeder ihrer Arbeiten reflektiert sie die Lichtbildkunst mit, sodass diese zum Medium und zum Inhalt wird. Ihre Idee von Fotografie bringt Templin im MKK in den Raum – im wörtlichen und doppelten Sinne: Die Künstlerin installiert Spatial Abstractions – Räume aus Bildern von Räumen – und reagiert dabei auf die Licht- und Zeitverhältnisse des Museums.
Im zweiten Geschoss des MKK errichtet Susa Templin den Besuchern/-innen ein Labyrinth. Durch den nur 5,20 Meter schmalen, dafür 34,20 Meter langen Raum zieht sich ein verschlungener Aufbau aus Stahlträgern. Sie halten Plexiglasscheiben, auf denen überlagerte Fotografien architektonischer Details zu sehen sind.
Die Betrachter/-innen sind in die Werke räumlich eingebunden. Sie bewegen sich um sie herum, stehen vor, neben und hinter den Fotografien. Durch die transparenten Oberflächen des Plexiglases scheint es, als würden die Besucher/-innen selbst Teil der Motive.
Ihre Installationen zeigen Bilder von Räumen im Sinne eines architektonischen Umfelds: Treppenhäuser, Handläufe, Häuserwände. In ihren Überlagerungen ergibt sich allerdings nicht das Abbild einer spezifischen Architektur. Susa Templin dokumentiert in ihren fotografischen Arbeiten nicht, sie abstrahiert. Die Künstlerin schafft in ihren räumlichen Werken Abstraktionen zum Thema Raum – oder wie sie es nennt: Spatial Abstractions.

Informationen zur Ausstellung:

Dauer der Ausstellung: 27.06. bis 05.12.2021
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10:00 bis 17:00 Uhr
Ort: Museum für Konkrete Kunst, Tränktorstraße 6-8, 85049 Ingolstadt
Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro; Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren frei

www.mkk-ingolstadt.de