16.01.2010
Kleines Haus
80 Minuten
Karrierekurbel? Brücke aus der Arbeitslosigkeit? Konjunkturstütze in schwierigen Zeiten? Zeitarbeit bedeutet: Flexibilität, Konkurrenzfähigkeit! Zeitarbeit bedeutet: Chancen! Und sie bedeutet: Den Anforderungen des Marktes ist Rechnung zu tragen. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Obwohl es immer weniger Arbeit für alle gibt, gibt es immer mehr Arbeit für den Einzelnen, der seinen Job nicht verlieren will. Fast alle Menschen in unserer Gesellschaft haben ein Problem mit ihrer Zeit – aus diametral entgegengesetzten Gründen. Auf der einen Seite gibt es einen Mangel an Zeit dort, wo Überstundenberge und Arbeitszeitkonten ein Mehr an Arbeit vom Einzelnen fordern, auf der anderen Seite gibt es bei Arbeitslosen ein Zuviel an Zeit, gibt es leere, tote Zeit, die nicht sinnvoll gefüllt werden kann, weil sie aus dem gesellschaftlichen Anerkennungszusammenhang herausfällt.
Im Phänomen der Zeitarbeit findet die Zweckrationalisierung von Arbeits- und Lebenszeit einen Kulminationspunkt. Weil das Modell des alleinverdienenden Familienoberhaupts in vielen Fällen nicht mehr haltbar ist, prallen berufliche und private Anforderungen in einer qualitativ neuartigen Härte aufeinander. Die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben muss täglich neu verhandelt werden. Die Unsicherheit und die elementaren Ängste, die damit verbunden sind, verweisen auf eine Sehnsucht nach einem anderen Umgang mit Zeit und Arbeit.
›Zeit: Arbeit‹ ist nach ›Erlkönig‹ das zweite Projekt von Autor Kai Schubert und Regisseurin Jenke Nordalm am Theater Ingolstadt. Zusammen mit Schauspielern des Ensembles hinterfragen sie die Beschäftigungsstrukturen von Zeitarbeitsfirmen, die zugleich Arbeitsplätze schaffen und vernichten.